HÄRLE-AKTUELL

Gentechnik bald auch beim Bier?

Ein Interview mit Gottfried Härle in der Dezember-Ausgabe des Magazins BLIX zum Thema Gentechnik.
 
Gottfried Härle
Gottfried Härle
 
Herr Härle, weshalb beschäftigen Sie sich eigentlich mit dem Thema Gentechnik?  

Ganz einfach deshalb, weil dieses brisante Thema nicht nur Landwirte betrifft, sondern ganz zentral auch die Hersteller von Lebensmitteln. Die große Mehrheit der Verbraucher lehnt gentechnisch veränderte Nahrungsmittel ab. Sollte es in Zukunft nicht mehr möglich sein, Produkte aus eindeutig gentechnikfreien Rohstoffen auf den Markt zu bringen, so wären weite Teile des Lebensmittelhandwerks in ihrer Existenz bedroht – also Bäcker, Metzger, Molkereien, Nudelhersteller, aber auch wir Brauer.  

Aber für deutsches Bier gilt doch das Reinheitsgebot. Schließt das den Einsatz von Gentechnik bei der Herstellung von Bier nicht aus?  
Leider nicht. Und erst kürzlich wurde in Deutschland einer erster Freilandversuch mit Braugerste gestartet. Angeblich zu Forschungszwecken. Gleichzeitig wurde dieser Versuch jedoch auch damit begründet, die Vermälzungseigenschaften der Gerste im Brauprozess zu verbessern. Sollte dies der erste Schritt zum großflächigen Anbau von gentechnisch veränderter Braugerste sein, so wären die Folgen für die Getreidebauern und die mittelständische Brauwirtschaft unabsehbar: mit dem Einzug transgenen Braugetreides gerieten unsere Bauern – so wie dies in vielen anderen Ländern zu beobachten ist – in die langfristige Abhängigkeit von einigen wenigen Saatgutkonzernen. Für den Brauprozess ist die gentechnische Veränderung der Braugerste übrigens völlig überflüssig. Die Natur liefert uns alles, was wir für ein hervorragendes Bier brauchen.  

Was muss aus Ihrer Sicht geschehen, um die Verbraucher vor gentechnisch veränderten Lebensmitteln zu schützen?  

Das wichtigste ist, über wirksame Haftungsregelungen die Verunreinigung von konventionell und biologisch bewirtschafteten Feldern und Äckern durch gentechnisch veränderte Organismen auszuschließen. Hier darf es keine Aufweichungen der bestehenden gesetzlichen Regelungen geben. Wer gentechnisch verändertes Saatgut ausbringt, muss gegenüber seinen Feldnachbarn die volle Haftung übernehmen.  
Einen weiteren wichtigen Schritt sehe ich in der Ausrufung von gentechnikfreien Regionen. Hier übernehmen Bauern, Verarbeitungsbetriebe und Verbraucher gemeinsam Verantwortung für ihren Lebensraum und die dort erzeugten Nahrungsmittel. Dass dies auch großflächig möglich ist, zeigen die Beispiele in Österreich und in der Schweiz.  

Bei der Diskussion über Gentechnik ist meistens von Gefahren die Rede. Bietet die aktuelle Auseinandersetzung über dieses Thema nicht auch Chancen?  

Durchaus. Wenn uns im Rahmen dieser Diskussion bewusst wird, dass die einzige Chance für Landwirte und Lebensmittelbetriebe in unserer Region Bodensee-Oberschwaben-Allgäu in der hervorragenden, natürlichen Qualität – und nicht in der Menge – der erzeugten Produkte liegt, dann sind wir einen großen Schritt vorangekommen. Nicht nur im Hinblick auf die Qualität unserer regionalen Erzeugnisse, sondern auch was den Erhalt unserer Kulturlandschaft betrifft.

Veröffentlicht am: 19.12.2006
Zurück zur Übersicht

Nächste News

 
Getränkemärkte in Ihrer Nähe, in denen die Bierspezialitäten unserer Brauerei angeboten werden, finden Sie ganz leicht mit unserem Bezugsquellen-Finder ...
   

 

Fatal error: Call to undefined function zeitnahme() in /mnt/web224/c0/72/53895172/htdocs/www2.haerle.de/includes_for_all/footer.inc.php on line 17