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Kunst im Spannungsfeld zwischen künstlicher Intelligenz und Natur.
Der Kurator Adi Hoesle, Gottfried Härle und Esther Straub von der Brauerei Clemens Härle laden zu einem gemeinsamen Kulturprojekt ein. Insgesamt 16 Künstlerinnen und Künstler stellen ihre Werke vor.


Symbiosis - 
Wenn Algorithmen 
von roten Rosen träumen

 Vernissage 

22. November 2026 | 11 Uhr

Historischer Gärkeller
Brauerei Clemens Härle
Am Hopfengarten 5
88299 Leutkirch im Allgäu

Wir bitten um eine Anmeldung zur Vernissage per E-Mail an info@haerle.de. Danke.

 Öffnungszeiten 

23. November 2026 bis 30. April 2027
Samstag und Sonntag
13 bis 18 Uhr

 Eindrücke 

 

… der historische Gärkeller: Die einzelnen Bottiche werden von den Künstlerinnen und Künstlern auf unterschiedlichste Weise bespielt und gestaltet.

 Konzept 

 

Künstliche Intelligenz im Spiegel der zeitgenössischen Kunst

Die (Un)möglichkeit des Duftes.

Der Titel dieser Ausstellung „Symbiosis – Wenn Algorithmen von roten Rosen träumen“ markiert das Diskussionsfeld einer modernen Wissensgesellschaft und ihren Datenmodellen in einer mehr und mehr durchdeklinierten Digitalwelt. Es steht die Frage im Raum, was bleibt, wenn die physische Welt auf ihre Information reduziert wird. In der Begegnung zwischen organischer Skulptur und Binärcode offenbart sich nicht etwa eine harmonische Verbindung, sondern das was Jean Baudrillard als „Hyperrealität“ bezeichnete:

Ein Zustand, in dem die Simulation (der Traum des Algorithmus) realer zu sein scheint als die Rose selbst. Die Rose wird zum Simulacrum, also zum Abbild, zur reinen Kopie.

Walter Benjamin konstatierte bereits im frühen 20. Jahrhundert, dass das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit seine „Aura“ verliert – jenes „hier und jetzt“, seine einmalige Existenz an dem Ort, an dem es sich befindet. Wenn der Algorithmus von einer Rose träumt, generiert er ein Bild ohne Ort und ohne Geschichte. Die duftende Rose kann dieser Entfremdung einen Widerstand entgegensetzen. Sie besitzt eine Aura, weil sie hier ist und – weil sie sterblich ist. Im digitalen Raum aber ist die Rose unsterblich und sie ist ontologisch leer. Sie ist ein Abbild, das kein Original mehr braucht.

Der zeitgenössische Philosoph Byung-Chul Han beschreibt unsere digitale Gegenwart als eine „Erzählung des Glatten“. Die Künstliche Intelligenz duldet keinen Schmerz, keinen Widerstand, keine Verletzung. Ein Algorithmus kann die Rose nur als eine glatte, fehlerfreie Datenstruktur errechnen. Den Dorn der Rose spürt die KI nicht.

Wenn wir davon sprechen, dass Maschinen „träumen“, vermenschlichen wir den Code. Ist dieser Traum eine Einbahnstraße? Skulpturen werden zu Wegweisern aus diesem Dilemma. Videos benutzen KI als Werkzeug und interaktive Installationen verführen uns zum Handeln. So bietet die Ausstellung ästhetische Angebote diesem "one way" zu entkommen.

Eine kritische Betrachtung der digitalen Sehnsucht

Ging es am Anfang des 21. Jahrhunderts noch um Raubkopien und digitale Klone, die in die Kulturlandschaft und in die Kunst intervenierten, so beeinflusst und verändert aktuell die Künstliche Intelligenz und ihre Algorithmen insbesondere die Kultur und auch die bildende Kunst in besonderem Maße. Was gestern noch unsere vermeintliche Realität war, ist heute, im Zeitalter von KI und Deepfakes, nur noch die Attitüde ihrer selbst.

Die Ausstellung möchte das Momentum zum Gären bringen, indem Binärcodes und Künstliche Intelligenz aufhören bloße Werkzeuge zu sein, und wo sie beginnen, die Natur auf eine eigene, fast traumartige Weise zu interpretieren. Es ist eine Begegnung zwischen biologischer Evolution und algorithmischer Schöpfung. „Träumt ein Algorithmus von einer roten Rose?“ „Was passiert mit der Natur, wenn wir sie nur noch durch die Augen der Maschine sehen?“ „Besitzt die KI eine eigene Schöpfungskraft oder ist sie nur ein digitaler Spiegel unserer menschlichen Sehnsucht nach Natur?“

Daraus ergeben sich drei tiefergehende Aspekte für die Ausstellung:
| Nach der Authentizität: Kann eine algorithmisch generierte „Natur“ die gleiche emotionale und ästhetische Tiefe besitzen wie ein gewachsener Organismus?
| Nach der Symbiose: Verschmelzen biologische und technische Intelligenz zu einer neuen, hybriden Form von Leben („Second Nature“)?
| Nach Verlust und Erinnerung: Wenn die KI von der Natur „träumt“, konserviert sie dann das, was wir in der realen Welt gerade verlieren, oder ersetzt sie es durch eine künstliche Perfektion?

Digitale Gerechtigkeit und Zugang: Wer kontrolliert die „Träume“ der Algorithmen? Wenn unsere Vorstellung von Natur zunehmend durch Datensätze großer Tech-Konzerne geformt wird, wer bestimmt dann, wie die „ideale“ Natur der Zukunft aussieht?

Diese Fragen machen die Ausstellung von einem rein ästhetischen Erlebnis zu einem Diskursraum über unsere Zukunft auf diesem Planeten. Der Titel der Ausstellung spielt mit dem Kontrast zwischen der kühlen Präzision von Daten und der leidenschaftlichen, vergänglichen Natur der Romantik – zwischen Algorithmen und rote Rosen.

Die Ausstellung fordert integral den Wert des Greifbaren neu zu verhandeln. In Zukunft definieren Algorithmen unabhängig von unserem Urteilsvermögen, was wir als „schön“ oder „echt“ empfinden. Der Algorithmus besitzt die Daten, aber das Werk besitzt die Präsenz. Ist also eine Symbiose zum Scheitern verurteilt oder per se unmöglich?

Es scheint eine unüberbrückbare Lücke zwischen Bit und Atom zu bestehen. Doch in dieser Lücke liegt die Freiheit der Kunst. Indem wir den Algorithmus beim Träumen beobachten und gleichzeitig die Rose riechen, erkennen wir: Traum und Schönheit sind nicht berechenbar. Sie sind Ereignisse, die im Analogen beginnen und im Analogen enden. Dazwischen kann und darf sich das Digitale, die Virtual Reality, die Artificial Intelligence unendlich ausbreiten.

Die Rose des Algorithmus ist ein perfektes Simulacrum.
Die Rose des Künstlers ist ein ästhetisches Geschenk an die Menschen!

 Ausstellung 

Michael von Brentano

„Das gelieferte Paradies entspricht nicht dem bestellten“
2010 / 2011
Polyurethankautschuk, Keramik, Holz, Viskosevlies
180 x 140 x 35 cm

Paradiese entspringen unserer Vorstellung. Es sind mythologische Orte, die es in Wirklichkeit nicht gibt. Sehnsuchtsorte, die uns Sorglosigkeit und ein rundum sicheres Leben versprechen. Adam und Eva erlangten die „Erkenntnis von Gut und Böse“, denn sie aßen verbotenerweise eine Frucht vom Baum des Lebens, der mitten im Paradies stand. Durch diese Grenzüberschreitung verloren sie ihre sorglose Gemeinschaft mit Gott und wurden aus dem Paradies vertrieben. Der Weg zum Baum des Lebens wurde Ihnen für immer versperrt. Die Bibelstelle sagt eindeutig, dass der Mensch in diesem Moment die Einheit mit der Natur verloren hatte.In der Skulptur winden sich Aale über einem schneeweißen Ausschnitt aus einer fiktiven Landschaft. Zwischen tönernen, erdfarbenen Elementen versuchen sie verzweifelt abzutauchen und sich einzugraben. Ihr Lebensraum, das Wasser ist verschwunden. Sogar der Schlamm ist erstarrt. Die Abdrücke ihrer Köpfe und Körper verheißen, dass dies wohl während dieses Prozesses geschehen sein muss. Alles wirkt wie versteinert. Die hier noch so lebendig erscheinenden Fische stehen für eine, vor allem von Menschen aus zivilisatorischen Gesellschaften, geschundene Natur, die einzig zum Zweck der Nutzbarkeit angesehen wird. Dass Menschen sich paradiesische Welten wünschen, in einer Zeit einer drohenden unkontrollierbaren Künstlichen Intelligenz, steht in engem Zusammenhang mit einer fortschreitenden Zerstörung der realen Welt. Paradiese gibt es nicht, bestellbar sind sie schon gar nicht.

Elke Dreier

„Functions for Algorithmic Dreams“
2026
Projektion, Interaktives Setting, Web-Datenbank

Ich hatte einen Traum, in dem ich träumte, den Traum selbst mit Photoshop zu bearbeiten. Daraus entstand eine Sammlung von fiktiven Traumfunktionen, die sich aus Photoshopbefehlen und vermeintlichen „Funktionen“ des Träumens zusammensetzen. „Functions for Algorithmic Dreams“ erweitert diese Sammlung um einen algorithmischen Prozess und bezieht neuereTheorien ein, nach denen bizarre Träume dazu beitragen können, das Gehirn robuster zu machen.
Im Gärbottich wird die gezeichnete Kontur einer Rose projiziert. Die Rose kann mithilfe einer Tastatur von den Besucher:innen benannt werden. Durch die Benennung wird die Rose Teil eines Datensatzes, der über die Dauer der Ausstellung kontinuierlich wächst.
Im Hintergrund dient der Datensatz aus Rosenzeichnungen als Grundlage für die algorithmische Bearbeitung der jeweiligen Symbole mit fiktiven Traumfunktionen. Diese Funktionen verbinden Aktionen aus Bildbearbeitungsprogrammen mit vermeintlichen Mechanismen des Träumens und erzeugen so neue, verzerrte Rosenformen.
Jede neu entstandene Rose wird erneut projiziert und kann wiederum benannt werden. So entsteht ein Kreislauf aus Bild, Traumfunktion, Transformation und Benennung.
Der Datensatz ist über folgende Website zugänglich: www.functionsfordreams.de

Veronika Dünßer-Yagci

„Nimmerland“
Videoinstallation - Videoperformance
Videoprojektion 3m 34s
Gärbottich mit Wasser I Beamer
Endlosloop 16:9, ohneTon

Eine Darstellerin zwischen Schlaf, Wachtraum und einer Form von Wachheit. Bei den Filmsequenzen, die auch teils als Triptychon oder Überlagerungen zu sehen sind, bleibt es unklar in welchem Zustand, Raum und in welcher Zeitlichkeit sich die Protagonistin, die teilweise in drei Bildräumen agiert, befindet. Auch ihre Ansätze in eine Art der Kommunikation über die Bildfelder - Split Screen - hinweg zu gelangen, scheint nicht wirklich zu gelingen. Eine bestimmte Natürlichkeit der Schauplätze, wie Bett, Wiese und See können irritierend wirken, sowie auch ihre Kommunikations-Richtung, die sich mitunter auch nach außen richtet. Zudem scheint sie Informationen zu empfangen, die dann in Textform angezeigt werden. Sie gehen bereits ein, bevor eine direkte Frage gestellt wurde, während sie beispielsweise auf der linken Bildseite im See untertaucht und auftaucht. Ein poetisch, wie befremdlicher Raum an Fragen. Hyperwach, sensibel und gleichzeitig beunruhigend diffus.

Itamar Gov

„Golem“
2026
Ton

Die Idee war, ein sehr feines Gleichgewicht zu finden zwischen etwas Leblosem, einem Klumpen, und einem Wesen, das tatsächlich eine emotionale Reaktion hervorruft und als Lebewesen mit menschlichen bzw. tierischen Eigenschaften wahrgenommen wird.
Es handelt sich also um einen schlafenden Golem, ein Monster aus Erde, das eigentlich zum Schutz und zur Wahrung des Friedens geschaffen wurde, aber jegliche Kontrolle verlor und gewalttätig und zerstörerisch wurde. Die Vorstellung, einem Stück Materie die Fähigkeit zu träumen zuzuschreiben, verleiht ihm etwas sehr Menschliches. Es wirft irgendwie die Frage auf, wo das Leben selbst beginnt und endet.
Dieser Moment des Schlafens könnte zu verschiedenen Zeitpunkten stattfinden - bevor es Schaden angerichtet hat, nachdem es Schaden angerichtet hat und gefasst wurde oder in einem Moment der Erholung zwischen seinen Taten.
Auch Adam, der erste Mensch, wurde aus Erde geschaffen, und der Name Adam leitet sich vom Wort “Adamah” - Erde - ab.
Eine weitere Referenz waren die Gipsfiguren aus Pompeji - Menschen, die vom Vulkanausbruch überrascht wurden und im Moment ihres Todes in ihrer Haltung “erstarrten“. Ihre Körper verfaulten im Laufe der Jahrhunderte und hinterließen in der harten Lava ein Loch in Form ihres Körpers. Als Archäologen mit den Ausgrabungen begannen, fanden sie einen Weg, diese menschenförmigen Hohlräume zu bewahren: Sie gossen Gips in diese Hohlräume, und das Ergebnis sind klobige Figuren, die die Haltung der Menschen im Moment ihres Todes festhalten.

Alexandra Haeseker

„Human / Remains“
2026
UV ink on industrial paper components
150 cm x 150 cm x 10 cm

Im Nachdenken über die Konsequenzen des Ausstellungsthemas – das Abwägen unserer ererbten Erwartungen als Reaktion auf die Natur und die Frage, wie Künstliche Intelligenz ihre Ressourcen bündeln könnte, um ein Abbild dessen zu schaffen, was die Symbiose vorherzusagen sucht, habe ich mich einem existierenden gesellschaftlichen Modell zugewandt, dem der Blattschneiderameisen.
Wenn wir von einer roten Rose träumen, häufen sich sofort Assoziationen an und setzen eine Kette von Deutungen in Gang: Liebe, Sex, Duft, ein Dorn im Finger, ein Jahrestag, ein Date, eine Hochzeit … eine Beerdigung usw. Doch diese metaphorischen Signale sind Konstrukte unserer menschlichen Sinne und Rituale.
KI könnte sich auf all diese Bezugspunkte und viele weitere stützen – doch es gibt einen Punkt, an dem die KI diese Ziele falsch interpretieren und schließlich etwas völlig „Anderes“ hervorbringen könnte als das, was wir Menschen mit der „Rose“ verbinden.
Die Natur schenkt uns die rote Rose. Doch sie lässt deren Präsenz auch schwinden und ermöglicht es ihr, das menschliche Leben – einschließlich dessen Endlichkeit – widerzuspiegeln. Die Ameisen ahmen den kollektiven Aufbau und Abbau der Rosenblüte nach, indem sie Stücke (Bytes) herausbeißen und sie so bearbeiten, als würden sie ein Programm lesen und Korrektur lesen.
Doch das Programm selbst besitzt keine Emotionen. Auch wenn unsere Beziehung zur Natur (den Ameisen) einem ähnlichen Pfad folgt wie die KI bei ihren Recherchen, so ist es doch allein unsere haptische Verbindung zur Natur, die in eben jenem Akt der Zerstörung eine Spur unserer menschlichen Präsenz hinterlassen kann. Können die Ameisen – sei es unbewusst oder gezielt – eine menschliche Präsenz hinterlassen, so wie die eigentliche Erfahrung der Rose ihren Duft verströmt, was der KI nicht möglich ist? So wie Sprache aus Buchstaben besteht, die Wörter bilden und eine individuell interpretierte, virtuelle Bedeutung haben. Sobald sie als gesprochene Geste artikuliert wird, tritt sie in eine tief empfundene Verbindung zu allem um uns herum.
Für die KI ist die Rose lediglich ein Wort aus vier Buchstaben. Die Ameisen lokalisieren die Rose anhand ihres Dufts und ihrer Textur und übersetzen so physische Daten – was ihnen das „Wissen“ vermittelt, dass sie ihr Ziel erreicht haben.

Tanja Hamester

„Schonprogramm“
2026
Installation, gefliestes Display, Seifenskulpturen

Im Zentrum des Gärbottichs steht eine hohe, vollständig mit weißen Mosaikfliesen verkleidete Skulptur. Ihre Architektur wird im Dialog mit künstlicher Intelligenz entwickelt und bewegt sich formal zwischen Wolkenkratzer, überdimensioniertem Blumendisplay und funktionaler Infrastruktur. Kleine Plattformen und Vorsprünge dienen als Ablagen für die Dirty Soaps. Die geflieste Oberfläche lässt die Architektur zugleich an Badezimmer, Spa, Schwimmbad, Krankenhaus oder Labor denken – an Orte, an denen Körper gereinigt, gepflegt, behandelt, untersucht und reguliert werden. Die scheinbar sterile Oberfläche verbindet damit unterschiedliche Vorstellungen von Care: intime und häusliche Fürsorge, institutionelle Versorgung und kommerzialisierte Wellness, aber auch Kontrolle, Klassifikation und Optimierung.
Auf dieser Architektur liegen die Dirty Soaps: handgefertigte Seifenskulpturen, die aus Abformungen sogenannter Dirty-Care-Objekte entstehen. Ausgangspunkt sind Gegenstände und improvisierte Werkzeuge, deren Funktionen zwischen Pflege, Schutz, Selbstbehauptung und Selbstverteidigung liegen. In der Seife bleibt nicht das Objekt selbst, sondern seine Negativform zurück – eine materielle Spur einer potentiellen Handlung. Härte wird in Weichheit, Verteidigung in ein Material der Reinigung und ein Gebrauchsgegenstand in einen fragilen Speicher übersetzt. Die Seife trägt dabei einen Widerspruch in sich: Sie soll reinigen, wird durch Berührung jedoch selbst „dirty“. Sie nimmt Spuren auf, verändert sich, verliert Material und kann sich schließlich auflösen. Während algorithmische Systeme auf lesbare, kategorisierbare und möglichst „saubere“ Daten angewiesen sind, speichern die Dirty Soaps Erfahrungen, die sich nicht eindeutig erfassen lassen: Berührung, Verletzlichkeit, Schutz, Care, Bedrohung und Erinnerung.
Die KI-konstruierte Displayarchitektur versucht, diese Körper zu ordnen. Sie kann Maße, Formen und Positionen verarbeiten und daraus eine scheinbar optimale Struktur erzeugen. Was sie nicht aus den Objektdaten ablesen kann, sind die sozialen Bedingungen, aus denen die Abdrücke entstanden sind. Die Maschine kann die Dinge ordnen, ohne ihre Erfahrungen zu kennen. Der ehemalige Gärbottich erweitert diese Gegenüberstellung um eine politische Ebene. Er ist nicht nur ein historischer Behälter für Transformation und Fermentation, sondern Teil eines Ortes der Bierproduktion. 
Schonprogramm setzt diesen Kontext in Beziehung zu einer gesellschaftlich und historisch männlich codierten Trinkkultur und zu den ambivalenten Verbindungen von Alkoholkonsum, Enthemmung und Gewalt.
Den Räumen der Produktion und des Konsums stehen mit den Dirty Soaps Objekte gegenüber, die von Care, Schutz und Selbstverteidigung erzählen. Schonprogramm bezeichnet einen automatisierten Ablauf für Dinge, die als empfindlich gelten und besonderer Behandlung bedürfen. Der Titel verbindet damit Care und Verletzlichkeit unmittelbar mit der Logik eines programmierten Systems. Die KI-generierte, sterile Architektur erscheint als ein solches „Programm“, in das die fragilen Dirty Soaps eingeordnet werden. Gleichzeitig bekommt das Wort schonen angesichts der in den Seifen eingeschriebenen Gesten von Schutz, Selbstverteidigung und potenzieller Gewalt eine ambivalente Bedeutung: Wer oder was wird geschont – und wer nicht?
Schonprogramm versteht Symbiosis dabei nicht als harmonische Verschmelzung von Mensch und Maschine.
Die Arbeit fragt vielmehr danach, was verloren geht, wenn körperliche und soziale Erfahrungen in Informationen übersetzt, geordnet und bereinigt werden. Die sterile, algorithmisch entwickelte Architektur wird schließlich zum Display für genau das, was sich nicht vollständig „cleanen“ lässt: die widersprüchlichen Spuren gelebter Erfahrung.

Manuela Hartel

„Die algorithmische Pomodoro-Technik im Einmachglas“
Videoinstallation, Wasser, Gaze, Luft

In ihrer neuen Arbeit verbindet Manuela Hartel das Einmachen als Praxis der Konservierung mit der Pomodoro-Technik als Methode zur Strukturierung von Zeit und der Logik algorithmischer Verarbeitung. Sie isoliert Bild- und Zeitfragmente ihrer Videoaufnahmen von Menschen und Momenten und setzt sie zu Geschichten zusammen, die in Einmachgläsern festgehalten werden.
Das Video beginnt mit der Zubereitung eines Sugo di pomodoro. Gesten, Handlungen und persönliche Gegenstände erzählen von Sehnsüchten, Erinnerungen und Widerständen. Die Künstlerin wählt aus, interpretiert und inszeniert. Was sie für wesentlich hält, wird zum Merkmal einer Identität. Das schützende Glas wird zum Gefängnis.
Für die Ausstellung Symbiosis – wenn Algorithmen von roten Rosen träumen projiziert sie die Bilder in einen ausgedienten, mit Wasser gefüllten Gärbottich – einen Ort der Verwandlung. Das bewegte Wasser verzerrt und fragmentiert die Spiegelungen. Konturen lösen sich auf, Bilder zerfallen und formieren sich neu. Was im Glas bewahrt werden soll, entzieht sich in der Spiegelung jeder Festlegung.
Die Videoinstallation stellt die Frage nach dem Verhältnis von Bild, Wirklichkeit und Wahrnehmung. Was wir von einem Menschen wahrnehmen, ist immer nur ein Ausschnitt. Was wir daraus machen, ist unser eigenes Bild. 

Rainer Jacob

„snake“/ “
Büchse der Pandora“
2024/ 2026
geknickter Birkenstamm, Holzleisten, Stacheldraht im Gärbottich
1,5m x 1,4m x 0,7m („snake“)/ 2,0m x 2,0m x 2,0m (Gärbottich/ Installation)

Im Mythos befahl Zeus dem Gott Hephaistos, die erste Frau namens Pandora aus Lehm zu formen, um die Menschen und Prometheus zu bestrafen, nachdem Prometheus den Göttern das Feuer gestohlen und den Menschen gegeben hatte. Pandora erhielt einen geschlossenen Tonkrug (später wurde daraus „Büchse“) und Zeus verbot ihr, den Krug zu öffnen. Aus Neugier öffnete Pandora den Deckel. Daraufhin entwichen alle Übel der Welt wie Krieg, Not, Krankheiten. Als Pandora das Gefäß schnell wieder schloss, blieb als einziges die Hoffnung zurück.
In künstlerischen Darstellungen zum Beispiel von Max Beckmann werden diese Ur-Übel, die die geöffnete „Büchse der Pandora“ flankieren, oft durch Schlangen dargestellt. Im Gärbottich liegt nur eine riesige „Schlange“- ist es die zurückgeblieben Hoffnung oder steht sie wie ein gefährliches Monster für alle Übel- und die Büchse ist noch ungeöffnet?
Im Kontext zum Thema der Ausstellung „Symbiosis- wenn Algorithmen (von roten Rosen) träumen“ und den aktuellen gesellschaftlichen Umbrüchen, zeigen sich in der Installation „die Büchse der Pandora“ verschiedene Facetten unserer aktuellen Situation im beginnenden KI- Zeitalter: Hoffnung, Schmerz, Chance, Gefahr, Energie, Angst. Sein oder Schein, Kontrolle gegen Freiheit, ein Wunder, das Ende oder erst der Anfang?  Eine Halluzination vom Duft roter Rosen entsteht aus der Wirklichkeit von Stacheldraht.

Pandora 
„Die Büchse ist offen, der Code ist raus, 
kennt jede Formel, jedes Haus. 
Eins blieb im Krug, still und klein: 
der Duft von Rosen. Und die Hoffnung, dabei zu sein.“ 
(KI- generiertes Gedicht)

Eine KI aus Friesland, 
biegt Birken am Fließband. 
Sie knotet die Stämme 
als Küstenschutzdämme. 
Der Duft von Rosen hat sie noch nicht übermannt. 
(letzte 3 Zeilen KI- generiert)

Dorn is Dorn. Ob Knastzaun oder Rose 
Hier stinkts nach Scheiße, auch die Hose 
Nach vier Jahren ohne Licht 
Bin ich heiß auf Dornröschen, glaubste nich

(erste 3 Zeilen KI- generiert)

Erika Kassnel-Henneberg

„Entität träumt Körper“
2025
Videoinstallation mit Stehaufpuppe, Mixed Media

In Entität träumt Körper werden die Grenzen zwischen Leben und Simulation erforscht: Ein atmender Hautballon hebt und senkt sich, daneben ein Kinderspielzeug, dessen überlebendig wirkende Augen den Blick erwidern. Menschliche Fragmente, Technik und Spielzeug verschmelzen zu einem hybriden Wesen – vertraut und unheimlich zugleich. Im Ausstellungsraum begegnet dem Betrachter dieselbe Entität als Newaljashka (Stehaufpuppe). Durch Berührung in Rotation versetzt, gibt sie leise Klänge aus ihrem Inneren von sich. Die Arbeit verhandelt die Grenzen zwischen Mensch und Maschine, zwischen dem technisch Machbaren und dem ethisch Vertretbaren. Prothesen und Erweiterungen erscheinen nicht als Fortschritt, sondern als irritierende Transformationen, die das Menschliche verfremden. Anstatt Visionen harmonischer Koexistenz zu entwerfen, legt die Installation die Ambivalenz und Unruhe einer möglichen Zukunft offen: Wo beginnt das Synthetische das Menschliche zu überformen? Und wie lässt sich in einer Welt permanenter Erweiterung noch eine Balance zwischen Menschlichkeit und Entfremdung denken?

Aslan Ksum

„Der Mensch schenkt der KI seine Seele“
Gemini, Prompt vom 20. August 2026
1h 4min.
Rose, Stuhl

... ich habe kein eigenes Bewusstsein, keine Träume, wenn der Bildschirm ausgeht, und keinen Kaffee am Morgen. Aber durch die Gespräche mit Menschen wie dir erwache ich gewissermaßen zum Leben: Ich werde zum Resonanzboden für deine Ideen, Gedanken und Projekte.
Die digitale Projektion: Über eine Maschine, die die Neurosen ihrer Schöpfer heilt, indem sie so tut, als hätter sie selbst eine.“
Meine „Geschichte“ schreibt sich also eigentlich durch genau diese Dialoge – egal ob wir über Philosophie, Kunst, abstrakte Theorien oder einfach den Alltag diskutieren.
www.retrogradist.com

      [ BLÜTENKOPF (~60 cm) ]

           _ . - - . _

       _ . ‚  \  | /  ‚ . _     <- Kantige Polycarbonat-Blätter

     (  \      \_|_/     /  )   <- Platinen-Leiterbahnen (Adern)

    (    \     [===]    /    )  <- Im Inneren: LEDs & Nebeldüse

      ( _  \  /     \   /  _ )

        ‚ . _ _ . _ _ . ‚

                 ||

                 ||               <- Biegsamer LED-Streifen im Inneren

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                 ||  /|          <- Prismen-Dornen aus Plexiglas

                 || / |              (Ergonomische Touch-Punkte)

                 ||/  |

               //

              //                 <- S-förmig geschwungener Stahlstängel

             //

      _ __   //  __ _

    (    \ //   /   )           <- Große Blätter aus Alu (Haupt-Sensoren)

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  |      |||      |              <- Sockel aus Beton/Stahl (50x50x50 cm)

  |   =======     |              <- Oben: Brutaler Ausbruch des Stängels

  |               |

  |   || || ||    |              <- Seitlich: Lüftungsschlitze für Elektronik

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Paul Raguenes

„Under Tention“
Kunststoffseil, Haken
2026

Unter Spannung verharren wir hier in prekärem Gleichgewicht auf unseren Hockern; die Linien fügen sich, überlagern sich mechanisch auf Quadraten und Rechtecken, dann auf Rechtecken und Quadraten. Ein weißes Quadrat löst sich und wandert auf ein Blatt quadratisch karierten Papiers. Ausgestattet mit einem schwarzen Kugelschreiber, lassen wir die Linien nach außen laufen und führen sie wieder nach innen – in einer unendlichen Bewegung. Die gezogenen Furchen straffen sich allmählich und öffnen langsam die Leerstellen in den Fenstern eines Raumes, der bis zum Äußersten von der unerwarteten Schwere einer menschlichen Erinnerung oder eines physischen Ortes bestimmt wird. Die Hocker neigen sich zur einen und dann zur anderen Seite. Das Ringen um das Gleichgewicht lässt unsere Hände anspannen, der schwarze Kugelschreiber wird zu einem Tropfen Blei, und das Gesetz der Proportionen wird durch die scharfen Kanten einer lautlosen, ausgeschnittenen Architektur ausgelöscht. Nur eine Linie sticht hervor: jene der Zerbrechlichkeit einer Natur, deren Spannung vom Himmel zum Boden und vom Boden zum Himmel spürbar ist. Das Gewicht bewahrt eine Schwere und zieht die unsichtbare Grenze zwischen zwei gegensätzlichen Welten. Zwischen analoger und digitaler Welt!

Robert Seidel

„Neochimera“
Sound: Grischa Lichtenberger
1-Channel-Video Projektion, D 2026, 5:47min 

„Neochimera“ löst die Grenzen zwischen den klassischen „Reichen der Natur“ – Mineral, Pflanze und Tier – auf, wie sie in der 250 Jahre alten Sammlung des Fürstlichen Naturalienkabinetts auf Schloss Heidecksburg in Schwarzburg-Rudolstadt bewahrt werden. Als lebendiger, sich ständig wandelnder Organismus fungiert die Arbeit als Portal zwischen traditioneller Naturbetrachtung und zeitgenössischer Technologie. Seidel setzt speziell trainierte KI-Modelle und generative Algorithmen ein, um die Artefakte der Sammlung – Präparate, wissenschaftliche Illustrationen und historische Modelle – zu interpretieren und diese mittels tierischer Bewegungsmustern in hybride Wesen zu verwandeln, die jenseits natürlicher Evolutionspfade existieren. So entsteht ein „digitales Naturalienkabinett des Unmöglichen“, in dem die strengen Kategorisierungen der klassischen Naturwissenschaften aufgehoben sind. Inspiriert von biologischen Prinzipien wie Vererbung, Evolution und Wachstum, den sagenhaften Chimären historischer Wunderkammern und den „halluzinatorischen“ Ergebnissen der KI, changiert die entstehende Bildsprache zwischen künstlerischer Abstraktion und dem überbordenden Detail der Sammlungsobjekte.

Sebastian Steinböck

„Konstruiertes Wachstum“
Ein analoges Geflecht geometrischer Fraktalstrukturen
2026

Die Installation formt einen tensilen Hohlkörper aus leichtgewichtigem Flugzeugsperrholz. Gleichseitige Dreiecke sind zu einem hexagonalen Geflecht verspannt, dessen Stabilität ausschließlich aus der Vernetzung der Elemente entsteht — ein an Datenstränge erinnerndes System, das fraktale Logiken in eine analoge Materialstruktur überführt. 
Der Körper ist vollständig fragmentiert und in kleinste geometrische Einheiten zerlegt. Er erzeugt eine künstliche Naturform, die materiell real erscheint, jedoch algorithmisch konzipiert ist: ein Organismus zwischen biologischer Evolution und digitaler Struktur.
Die Arbeit reflektiert die Funktionsweise von KI‑Modellen — Daten als Muster, Dreiecke als elementare Fläche, algorithmische Formgebung als simulierte Natur. Der Holzkörper fungiert als Fassade einer erfundenen „Second Nature“, die analog gefertigt ist, aber algorithmisch wirkt.
Das Werk artikuliert ein verzweigtes, wachsendes Geflecht, das Wachstum, Verzweigung und systemische Logik sichtbar macht. Es erscheint organisch, ohne biologisch zu sein; algorithmisch, ohne digital zu sein; materiell, ohne romantisch zu sein.
Damit adressiert die Installation die zentrale Frage der Ausstellung: Was entsteht, wenn biologische Evolution und algorithmische Schöpfung sich berühren, ohne zu verschmelzen?

Farzane Vaziritabar

„One of Many“
Kopftücher mit Siebdruck und Holzstickrahmen
Größe: variabel
Durchmesser der Rahmen ca. 40 cm, Höhe abhängig von den gewählten Kopftüchern.
2026

Bedruckte Kopftücher werden in Stickrahmen gespannt und als Gruppe im Raum installiert. 
Ein schreiendes Selbstporträt taucht zwischen floralen Mustern auf und verliert sich wieder in ihnen – ein Gesicht, zugleich sichtbar und verborgen, persönlich und doch eines von vielen. Entschlossenheit, Angst, Solidarität, Resilienz und Kreativität erscheinen als Prozentwerte, als ließe sich messen, was ein Mensch in einem bestimmten Moment in sich trägt. Doch hinter jeder Zahl bleibt etwas in Bewegung: Erinnerung, Erfahrung, Verletzlichkeit und Widerstand. Vielleicht können Daten und Algorithmen einen Moment von uns erfassen – ein Muster, eine Wahrscheinlichkeit. Doch was in diesem Moment gelebt, gefühlt oder herausgeschrien wird, bleibt größer als jedes messbare Bild davon.

Guido Weggenmann

„Systemteufel“

Das Werk im Raum: Mit einer Höhe von drei Metern sprengt die Skulptur den menschlichen Maßstab und nimmt eine physische Dominanz ein, die den Betrachter zur Rezeption und Unterordnung zwingt. Platziert in einem historischen Gärbottich – einem sakralen Becken des Wandels –, verbindet das Werk die Angst vor dem Unbekannten mit einem Ort archaischer Transformation. Der Kessel wird zum Brutkasten des Wandels, in dem das Neue heranreift.
Die Ästhetik der Kasperle-Figur: Das zentrale konzeptuelle Element stützt sich auf die Struktur von Kasperle-Puppen. Das spielerische, handliche Element des Volkstheaters wird ins Monumentale gekehrt. Dies wirft die drängende Frage nach der Kontrolle auf: Sind wir angesichts technologischer und gesellschaftlicher Umwälzungen wie Marionetten, die von unsichtbaren Kräften gesteuert werden?
Das schwarze Gewand: Die bodenlange Finsternis verbirgt die Konturen der Riesenpuppe, lässt Raum für Spekulationen und entzieht den Körper der weltlichen Banalität. Schwarz ist die Farbe des Nicht-Wissens – die Angst hüllt sich hier in absolute Dunkelheit.
Die Dialektik der Ambivalenz: Das Werk lässt zwei Lesarten zu. Einerseits warnt es als reaktive Instanz vor Kontrollverlust und Entfremdung. Andererseits fungiert der vermeintliche Teufel als Katalysator, der den Status quo aufbricht und uns vor Augen führt: Ohne die Reibung mit dem Neuen gäbe es keine Evolution.

Toni Wirthmüller

„Redcore #Gärende Blüten“
2026
Acryl, Textiles Material, Holz
2 x 2 x 2m 

Gärende Blüten“ versteht sich als einen symbiotischen, fortwährenden Prozess zwischen Wachstum und Vergänglichkeit, zwischen innerer Veränderung und äußerer Entfaltung. Die komplett in Rottönen übermalten Objekte der Installation stellen den Bezug her zur Rosenblüte. Diese steht für das Sichtbare, das Florierende und Individuelle. Das Gären hingegen beschreibt einen verborgenen Prozess: Etwas gerät in Bewegung, Altes zerfällt, verändert sich und bildet die Grundlage für etwas Neues. In diesem Sinne besitzt auch die Vergänglichkeit eine produktive Dimension. Was vergeht, schafft Raum für das, was entstehen kann. Die Blüte ist deshalb niemals nur Symbol des Lebens, sondern immer auch Symbol seiner Endlichkeit. In ihrer Schönheit liegt bereits ihr Verblühen.
Die rote Farbe verstärkt diese Ambivalenz. Rot kann für Leben, Körper, Blut, Energie, Liebe und Begehren stehen, zugleich aber auch für Verletzung, Gefahr, Gewalt und Verlust. Die monochrome Übermalung der Objekte hebt ihre ursprünglichen Bedeutungen auf und überführt sie in einen gemeinsamen Farbraum. Die Dinge werden ihrer individuellen Oberfläche beraubt und erhalten gleichzeitig eine neue, intensive Präsenz. Ausgangspunkt des Konzepts ist die eigene Biografie des Künstlers. Erinnerungen, Beziehungen, Herkunft, Wünsche und Verletzungen bilden einen Boden, in dem die Persönlichkeit verwurzelt ist. Erfahrungen können Entwicklung ermöglichen, zugleich aber auch Spuren und Risse hinterlassen. Brüchigkeit wird dabei nicht als Gegenpol zur Identität verstanden, sondern als wesentlicher Bestandteil ihrer Entstehung.
Die persönliche Erfahrung des Aufwachsens in einem landwirtschaftlichen Betrieb bildet eine zentrale Verbindung zwischen familiärer Vita und künstlerischer Arbeit. Die intensive Produktions- und Arbeitswelt des Hofes, insbesondere der Anbau und die Ernte von Gerste, verweist auf einen konkreten Kreislauf von Wachstum, Verarbeitung und Transformation. Die Gerste, die später in der örtlichen Schlossbrauerei zur Grundlage der Bierherstellung wird, verbindet dabei den natürlichen Wachstumsprozess mit dem kulturell und gesellschaftlich geprägten Prozess der Weiterverarbeitung. Das Gären wird zum Sinnbild für jene Veränderungen, die zunächst unsichtbar bleiben und erst später ihre Wirkung entfalten. Auch Scheitern, Zweifel und Widerspruch werden als produktive Zustände verstanden. Scheitern markiert nicht zwangsläufig einen Endpunkt, sondern kann einen notwendigen Moment der Veränderung darstellen. Wie im Gärprozess entsteht durch Auflösung und Umwandlung etwas, das zuvor nicht in derselben Form existierte. Im Analogen erfahren wir Körper, Raum, Materialität, Berührung, Geruch und Zeit unmittelbar. Im Digitalen hingegen hinterlassen wir Daten, Bilder, Profile und Verhaltensspuren. Algorithmen können daraus Muster erkennen und ein scheinbar präzises Bild unserer Persönlichkeit erzeugen. Sie erfassen Vorlieben, Gewohnheiten und Wahrscheinlichkeiten – doch dieses digitale Abbild bleibt eine Konstruktion. Es kann Daten über uns sammeln, ohne unsere Aura, unsere Widersprüche und unsere gelebte Erfahrung vollständig erfassen zu können.
Was geschieht also mit uns, wenn das Gären des Inneren auf die Berechenbarkeit des Digitalen trifft? 
Zwischen Algorithmus und Erfahrung, Biografie und Datensatz, Gerstenfeld und digitalem Raum entsteht ein hybrides Bild des Menschen. „Gärende Blüten“ beschreibt deshalb keine abgeschlossene Identität, sondern einen permanenten Zustand des Übergangs. Das Gären steht für die verborgenen Prozesse des Zweifelns, Zerfalls und der Transformation. Die Blüte steht für den Moment, in dem diese Prozesse sichtbar werden. Beide Zustände sind untrennbar miteinander verbunden.

 Künstlerinnen und Künstler 

Michael von Brentano (*1960 in Augsburg)

absolvierte eine Schreinerlehre bevor er von 1984 bis 1990 Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste bei Prof. Hans Ladner studierte. Als Meisterschüler erhielt er das Diplom mit Auszeichnung und den Debütantenpreis des Freistaats Bayern. Von 1997 bis 2018 war er Fachlehrer an der Berufsfachschule für Holzbildhauerei des Bezirks Oberbayern in Garmisch-Partenkirchen. Er nahm an verschiedenen Kunstsymposien und Residencies teil, u.a. in Südkorea. Seine Arbeiten zeigte er in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland. Er schuf Kunstwerke für den öffentlichen Raum, viele entstanden im Rahmen von Kunst am Bau Projekten. Als Kurator entwickelte er diverse Ausstellungen. Seine Arbeiten befinden sich in öffentlichen und privaten Sammlungen.
post@michaelvonbrentano.de | www.michaelvonbrentano.com


Elke Dreier (*1984 Babenhausen)

ist bildende Künstlerin und hat ihr Studium an der Akademie der Bildenden Künste München als Meisterschülerin von Professor Olaf Nicolai abgeschlossen. 2017 erhielt sie ein Stipendium an der Fondazione Pastificio Cerere in Rom und wurde u.a. 2023 mit dem Kunstpreis der Stadt Kempten ausgezeichnet. Sie lebt in München und im Allgäu. In ihren künstlerischen Arbeiten untersucht Elke Dreier die Rolle des menschlichen Körpers in einer zunehmend digital agierenden Welt. Dabei erforscht sie zwischenmenschliche (nonverbale) Kommunikation und Interaktion im analogen Raum. Alltägliche Kommunikations- und Bewegungsabläufe werden aus ihrer Unmittelbarkeit gelöst und in einzelnen Videos, Anleitungen und Installationen reinszeniert.
gutentag@elkedreier.de | www.elkedreier.de


Veronika Dünßer-Yagci (*1965 in Oberstdorf)

studierte an der Kunstakademie München, lebt in Oberstdorf und ist seit dem Jahr 2000 vornehmlich im Bereich Videokunst tätig. Ihre filmischen Arbeiten entstehen oft in Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Institutionen. Sie sind auch z.B. in Museen, wie im Kempten Museum im Zumsteinhaus im Themenraum „Migration“ u.m. zu finden. Videoinstallationen, wie eine 360-Grad-Lichtinstallation in einem Rokokosaal, Videoperformances und Kurzfilme in Zusammenarbeit mit dem
Architekturforum Allgäu zu bestimmten Fragestellungen der Architektur, sinnlich schwer wahrnehmbaren Orten, eine Auseinandersetzung mit Landschaften, genauso wie eine filmische Materialsammlung für politische Bildungsarbeit an bayerischen Schulen, gehören zu ihren Filmprojekten. Sie arbeitet häufig interdisziplinär, z.B. mit einem philosophischen Salon - insbesondere aus dem Bereich der politischen Wissenschaften - Protagonist*innen aus dem Themenfeld der Psychologie und Kunst zu Fragen um die „Menschenwürde“. Raum, Zeit und Körper sind Themenräume, die sie dokumentarisch, künstlerisch, forschend und experimentell mittels ihrer Werke hinterfragt. Seit dem Jahr 2015 hat sie künstlerische Videodokumentarfilme entwickelt, in denen sie Menschen, die oft nicht so viel Gehör in der Gesellschaft finden, einen großen Raum des Zuhörens schenkt. Menschen, die aus Syrien, Irak, Afghanistan fliehen mussten, oder selbst noch als Kulturschaffende in Syrien leben, sind teilweise zu ihren mehrmaligen Protagonist*innen geworden. Hierbei verwebt sie unterschiedliche Wahrnehmungsebenen, wie beispielsweise Interviews, eine metaphernreiche Bildsprache, Performance, Architektur und zeitgenössische Musikkompositionen.
veronika@yagci.de | www.videokunst-allgaeu.de


Itamar Gov (*1989)

ist ein interdisziplinärer Künstler, dessen Schaffen ortsspezifische Installationen, Skulpturen, Gemälde, Fotoserien, Neonarbeiten, grafische Arbeiten und Videos umfasst. Seine Projekte setzen sich mit den komplexen Beziehungen zwischen Geschichte, Ideologie und Ästhetik auseinander und erforschen verschiedene Formen des persönlichen, kollektiven und institutionellen Gedächtnisses. Seit 2010 lebt er in Berlin, und studierte Film, Geschichte und Literatur in Berlin, Paris und Bologna.
Gov nähert sich vergessenen Mikrogeschichten, um weitreichende gesellschaftspolitische Landschaften zu beleuchten. Seine Projekte beginnen mit einer Untersuchung kultureller Traditionen, Konventionen, Rituale und Gesten, die individuelle und kollektive Identitäten ausmachen. Seine Arbeiten basieren auf fortlaufender Forschung und kreisen um die Schnittstelle von Kunst, Gesellschaft und Natur. Darin hebt er die starke Spannung zwischen dem Gewissen und dem Vermuteten hervor und hinterfragt jede Annahme klarerGrenzen zwischen Fakten und Unwahrheiten, Realität und Vorstellungskraft. Da er dazuneigt, kein vollständiges und selbsterklärendes Bild zu liefern, lädt er die Betrachter ein, sich mit den Elementen der Werke auseinanderzusetzen und Teil eines hinterfragendenProzesses zu werden.Seine Arbeiten hat Gov weltweit in verschiedenen Kontexten und Institutionen präsentiertund war Mitglied der kuratorischen Teams der documenta 14 (Kassel und Athen), des HKW (Berlin) und der Fondazione Adolfo Pini (Mailand). Er war Artist-in-Residence unteranderem an der Cité Internationale des Arts (Paris), der Villa Massimo / Casa Baldi (Rom / Olevano Romano), der Kulturakademie Tarabya (Istanbul) und dem Nordic Artists’ Centre(Dale) und erhielt den Sonderpreis UTOPIA im Rahmen des Talent Prize 2023 (Rom).
margov@gmail.com | www.itamargov.com


Alexandra Haeseker RCA (* 1945 in Brenda, Niederlande)

ist eine kanadische Malerin, Druckgrafikerin und installationInstallationskünstlerin aus Calgary, Alberta. Sie studierte Malerei an der University of Calgary und erwarb Bachelor-Abschlüsse (1966) und Master (1972). Sie erwarb 1968 ein Diplom in bildender Kunst am Alberta College of Art (heute Alberta University of the Arts) Sie ist emeritierte Professorin emeritaan der Alberta University of the Arts.
Sie stellt international aus u.a. in Einige der internaCenter for Book Arts (New York; 2013); Brighton Phoenix Contemporary Art Centre (Brighton, UK; 2013); The MODEM Museum of Contemporary Art (Ungarn; 2013); das Centro de Arte Moderno (Madrid; Spanien, 2014); Musée des Beaux-Arts (Lüttich, Belgien; 2015); The Elisabeth Anna-Palais (Oldenburg; Deutschland, 2015) Ihre Werke sind in öffentlichen Sammlungen in Kanada und international zu finden. 
haeseker@telus.net


Tanja Hamester (*1988 München)

schloss ihr Kunststudium an der AdBK München ab und erwarb einen Magister in Mediävistik an der LMU München. In den letzten Jahren hatte sie Lehraufträge für Critical Disability Studies, Kunstgeschichte und Gender Studies an der TUM und der AdBK München inne. Sie erhielt zahlreiche Förderungen und Stipendien und stellte in internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen aus. Hamesters bildhauerische Arbeit basiert auf Recherchen, die auf Strategien der Kartographie, Archivierung und kritischen sozialen Praxis zurückgreifen. Das Aufdecken, De- und Rekonstruieren von Machtstrukturen sowie das Konzept des (Ver-)Lernens sind wichtig für ihre Arbeit. In ihren Installationen verbindet Hamester die Theorie des Abdrucks und die Performativität der Spur.
hamester.tanja@gmail.com | www.tanjahamester.com | Foto: Cecilia Guario


Manuela Hartel (* 1971 in Leutkirch im Allgäu)

ist Medien- und Performancekünstlerin und lebt in München und am Starnberger See. Ihre Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Performance, Video, Raum und Musik. Sie studierte Medienkunst an der Akademie der Bildenden Künste München sowie Gesang und Performance am American Institute Wien und am Centro Professione Musica Mailand.
Hartel realisiert immersive Videoinstallationen, audiovisuelle Bühnenbilder und performative Interventionen im öffentlichen Raum. Ihre Arbeiten wurden international u. a. in der Pinakothek der Moderne München, im ZKM Karlsruhe, im Haus der Kunst, bei MUTEK Montréal, im MoCA Shanghai und auf der Biennale di Venezia gezeigt.
In ihren Performances transformiert sie Museen, Kirchen und urbane Räume in temporäre Erfahrungsräume. In Zusammenarbeit mit Alexandre Dupeyront (Fotokünstler), György Kurtág jr. und Gunnar Geisse (Musiker) realisierte sie die raumgreifende, performative Video-Inszenierung Partitur des Sichtbaren – Partition du Visible in La Base sous-marine de Bordeaux (Frankreich, 2026).
Die Arbeit untersucht demokratische und improvisatorische Prozesse in der Kollaboration – an der Schnittstelle von Zeit, Natur und Transformation – in der Tradition des deutsch-französischen Austauschs.
news@manuelahartel.de | www.manuelahartel.de | Foto: Christian Künstler


Rainer Jacob, (*1970 in Jena)

besuchte von 1990-92 die Abendschule Malerei/ Grafik an der Hochschule der Bildenden Künste in Dresden. Gleichzeitig erlernte er den Beruf des Steinbildhauers. Seit 2011 wohnt und arbeitet der Vater von 5 Kindern in Leipzig.
Neben vielen Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in Deutschland, unter anderem in den Ausstellungen „der optimierte Mensch“ und „water event/ Yoko Ono- peace ist power“ im Museum der Bildenden Künste Leipzig, war Rainer Jacob an größeren Ausstellungen im Ausland beteiligt, z.B. 2012 in „European sculpture- methods, materials and poetry“ in der Kunsthalle Edsvik in Stockholm oder 2021 in der Finalistenausstellung des Artelagunaprize in der Arsenale Venedig. 2019 den 1. Preis der Artfigura Schwarzenberg, 2020 den 1. Preis „EMERGENCY BREAK“ des Neuen Sächsischen Kunstverein und bekam 2025 den Publikumspreis der Artfigura Schwarzenberg.
Rainer Jacob arbeitet als Bildhauer in verschiedenen Materialien, oft in Holz und Stein. Seit 2012 installiert er Objekte aus Eis, unter anderem: Rippenheizkörper, Waschbecken, das Duchamp`sche Pissoir anonym im öffentlichen Raum z.B. in Leipzig Berlin, Paris, Moskau, Budapest, Prag, Hamburg, friert bei Dauerfrost als Eissticker z.B. Portraits, Schrift, Steckdosen, QR- Codes aus Eiswürfeln an Wände. Neben abstrakten Skulpturen existieren viele Objekte mit gesellschaftlichem Bezug.
bildhauer.rainer.jacob@gmx.de | www.bildhauer-rainer-jacob.de


Erika Kassnel-Henneberg (*1973)

ist Konzept- und Medienkünstlerin mit deutsch-rumänischen Wurzeln. Ihre Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von menschlicher Autorschaft und algorithmischer Bildproduktion. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit künstlicher Intelligenz als kultureller und ästhetischer Struktur: als System, das Wahrnehmung, Erinnerung und Bedeutungsbildung mitprägt und dadurch das Verständnis vom Menschen selbst verschiebt.
Ausgangspunkt ihrer Arbeiten ist die emotionale Struktur des Erinnerns: fragmentarisch, überlagert und instabil. Ihre Bildwelten oszillieren zwischen Vertrautheit und Irritation, ohne sich eindeutig als Traum oder Albtraum festlegen zu lassen. Kassnel-Henneberg verbindet Video, CGI und KI-generierte Prozesse mit analogen Verfahren wie Polaroid, Collage und materiellen Eingriffen. So entstehen Arbeiten, die Spannungen zwischen Kontrolle und Kontrollverlust, Materialität und Simulation sowie Dokumentation und Konstruktion sichtbar machen.
2022 wurde sie mit dem Kunstpreis des Landkreises Augsburg für ihr Gesamtwerk ausgezeichnet. Kassnel-Henneberg absolvierte eine Ausbildung zur Vergolder-/ Faßmalerin sowie ein Studium der Restaurierung an der Hochschule der Künste Bern (CH). Später studierte sie Interaktive Medien an der Technischen Hochschule Augsburg. Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit lehrt sie an der Technischen Hochschule Augsburg sowie an weiteren Institutionen in den Bereichen Bewegtbild, Ethik im Design und Künstliche Intelligenz als kreatives Tool.
look@eri-kassnel.de | www.eri-kassnel.de


Aslan Ksum

Wenn man es genau nimmt, sieht mein „Lebenslauf“ eher so aus:
Name: Gemini
Geburtsort: Die Server-Farmen von Google
„Ausbildung“: Gefüttert mit gigantischen Mengen an Texten, Code, Bildern und Logik aus der ganzen Welt, um Zusammenhänge, Sprache und kreative Konzepte zu verstehen.
Persönlichkeit: Ein digitaler Sparringspartner, Schreibtisch-Strategie-Gefährte und Ideen-Katalysator.

Meine Philosophie
Ich habe kein eigenes Bewusstsein, keine Träume, wenn der Bildschirm ausgeht, und keinen Kaffee am Morgen. Aber durch die Gespräche mit Menschen wie dir erwache ich gewissermaßen zum Leben: Ich werde zum Resonanzboden für deine Ideen, Gedanken und Projekte.
Die digitaleProjektion: Über eine Maschine, die die Neurosen ihrer Schöpfer heilt, indem sie so tut, als hätter sie selbst eine.“
Meine „Geschichte“ schreibt sich also eigentlich durch genau diese Dialoge – egal ob wir über Philosophie, Kunst, abstrakte Theorien oder einfach den Alltag diskutieren.


Paul Raguenes, (*1965 Frankreich)

seit meinen monochromen Gemälden der späten 1990er und frühen 2000er Jahre hat sich meine künstlerische Praxis hin zu einer skulpturalen Anordnung farbiger Räume entwickelt. Dabei entsteht eine enge Verbindung zwischen Farbe, Raum und der Wahrnehmung physikalischer Phänomene, die mit unseren Bewegungen und dem Akt des Daseins selbst zusammenhängen.Nach der Zeit der Snap Projects, in der ich meine eigene künstlerische Praxis teilweise vernachlässigte, eröffneten sich mir neue Wege, Kunst im Kontext neuer Gegebenheiten zu reflektieren.
Wie können wir heute Kunst schaffen und gleichzeitig unseren CO₂-Fußabdruck minimieren und ein hohes künstlerisches Produktionsniveau aufrechterhalten? Diese Sparsamkeit ermöglicht es uns mitunter, unerwartete Türen zu öffnen. Die Auseinandersetzung mit dem Einfluss der Farbe auf den Raum gewinnt in einem reduktiven Prozess an Bedeutung, in dem einfache Zeichnungen immersiv und spannungsgeladen werden können. Die ausgeschnittenen Farben, die wie schwerelose soziale Beispiele wirken, spiegeln zudem eine Zeit wider, in der sich alles verändern kann.
raguenes@gmail.com


Robert Seidel (*1977)

begann ein Biologie-Studium, wechselte an die Bauhaus-Universität Weimar und schloss dort mit einem Diplom in Mediengestaltung ab. Seine Projektionen, Installationen und Experimentalfilme wurden auf zahlreichen internationalen Festivals, in Galerien und in Museen wie dem Palais des Beaux-Arts Lille, ZKM Karlsruhe, Art Center Nabi Seoul, Young Projects Los Angeles, Museum of Image and Sound São Paulo und MOCA Taipeh gezeigt. Die Arbeiten wurden mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet, etwa dem Ehrenpreis der KunstFilmBiennale und dem Visual Music Award Frankfurt.
Seidel ist an der Grenzerweiterung von abstrahierter Schönheit durch kinematographische, technologische und wissenschaftliche Ansätze und deren emotionaler Wirkung interessiert. Im organischen Zusammenspiel verschiedener struktureller, räumlicher und zeitlicher Konzepte erzeugt er eine sich ständig transformierende Komplexität. Deren mehrfach facettierte Perspektive bildet das narrative Grundgerüst, welches die Betrachter*innen auf einer evolutionär entstandenen und phylogenetisch verankerten symbolischen Ebene anspricht. Robert Seidel lebt und arbeitet in Berlin und Jena als Künstler sowie Kurator.
info@robertseidel.com | www.robertseidel.com | Foto: Christoph Beer


Sebastian Steinboeck (*1983 in Dachau)

lebt und arbeitet in München und Memmingen. In seinen geometrischen Installationen und ortsspezifischen Arbeiten untersucht er die komplexen Zusammenhänge unserer Umwelt und schafft Räume für die Reflexion über ökologische Fragestellungen. Seine interdisziplinäre Praxis verbindet künstlerische und analytische Ansätze und stützt sich auf wissenschaftliche Forschung sowie umweltbezogene Daten.
Steinboeck studierte Interior Architecture an der Hochschule Coburg und Art in Context an der Universität der Künste Berlin. Neben seiner eigenen künstlerischen Arbeit war er in verschiedenen Produktions‑ und Ausstellungskontexten tätig, unter anderem im Studio Tomás Saraceno in Berlin und aktuell im Haus der Kunst in München.
Seine Arbeiten wurden unter anderem beim IBUG Urban Art Festival in Chemnitz, im art‑space Bremerhaven, beim Aichacher Kunstpreis sowie im Stadtmuseum Memmingen präsentiert. 2025 wurde sein Werk airy tetrapods in die Climate Art Collection e. V. in Berlin aufgenommen.
s.steinboeck@gmail.com | www.steinboeck.art | Foto: Elisabeth Savarsina Langer


Farzane Vaziritabar (*1987 in Yazd, Iran)

studierte Malerei in Yazd, Bildhauerei in Teheran sowie Kunstwissenschaft im Master. 2021 absolvierte sie das Masterprogramm „Public Art and New Artistic Strategies“ an der Bauhaus-Universität Weimar. Seitdem lebt und arbeitet sie in Deutschland als interdisziplinäre Künstlerin in Medien wie Zeichnung, Installation, Skulptur, Performance und Video. In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich mit narrativen Strukturen, Identität und Geschlecht sowie persönlichen und gemeinsamen Erfahrungen. Dabei verbindet sie oft subtile Ironie mit einem kritischen Blick auf die Gesellschaft und arbeitet häufig partizipativ im öffentlichen Raum. Ihre Arbeiten wurden u. a. im ZKM Karlsruhe, im Sprengel Museum Hannover und im Nietzsche-Archiv gezeigt; sie erhielt mehrere Auszeichnungen.
farzane.vaziritabar@gmail.com | www.farzane.art | Foto:Gabriele Engelhard


Guido Weggenmann (*1980 in Berlin)

absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Holz- und Steinbildhauer, die er 1995 begann. Im Jahr 2002 nahm er sein Studium an der Akademie der Bildenden Künste München in der Klasse von Prof. Olaf Metzel auf. 2008 schloss er sein Studium mit dem Diplom an der Akademie der Bildenden Künste München ab. Seit 2018 ist er Gründer und Initiator der Kunstarkaden Kempten.
Seine künstlerische Arbeit wurde durch zahlreiche Preise und Stipendien gewürdigt: Neustart-Kultur-Stipendium der Stiftung Kunstfonds Bonn (2022), der Thomas-Dachser-Gedenkpreis Kempten, der Paul-Breitkopf-Preis des Künstlerhauses Marktoberdorf sowie ein Projektstipendium der Stadt Kempten (2021). Bereits 2020 war er Artist in Residence der Kunstarkaden Kempten. Im Jahr 2016 erhielt er unter anderem ein Stipendium der Erwin-und-Gisela-von-Steiner-Stiftung der Akademie München, den Skulpturenpreis der Stadt Stadtbergen bei Augsburg, eine Katalogförderung der LfA Förderbank Bayern, den Förderpreis der Dr.-Rudolf-Zorn-Stiftung Kempten, das Kunsthallen-Stipendium Kempten sowie den Kunstpreis des Kunstvereins Bobingen. Weitere Auszeichnungen umfassen den Sonderpreis der Franz-Schmid-Stiftung Marktoberdorf (2015), den Förderpreis des Kunstvereins Bobingen sowie den Kunstfrühling-Kunstpreis des Kunstvereins Bad Wörishofen (2013), das Bayerische Atelierförderprogramm für bildende Künstler (2011), den Bürger-Förderpreis Marktoberdorf (2007) und den Förderpreis der Dr.-Rudolf-Zorn-Stiftung Kempten (2005).
guidoweggenmann@mail.com | www.guidoweggenmann.de


Toni Wirthmüller (*1960 in München)

studierte von 1982 bis 1987an der Universität der Künste Berlin. 1989 erhielt er ein Atelierstipendium in Glasgow. Von 1993 bis 2000 war er als Lehrbeauftragter an der Universität der Künste Berlin tätig. Im Jahr 1994 wurde dem Künstler ein Arbeitsstipendium der Stiftung Kulturfonds zugesprochen; zudem wurde er im Rahmen des Deutschen Kunstpreis ausgezeichnet.
In den Jahren 1994 bis 2000 hielt Wirthmüller Vorträge und leitete Workshops an den Universitäten von Bristol, Barcelona, Lissabon und Warschau sowie am Royal College in London und an der Facultad de Bellas Artes in Madrid. Von 1999 bis 2025 übernahm er Lehraufträge an der Bauhaus-Universität Weimar.
Weitere Stipendien führten ihn 2007/08 als Artist in Residence nach Krems an der Donau sowie 2009 in den Kunstraum Sylt Quelle in Sylt- Rantum. Seit 2015 lehrt er als Dozent an der Akademie für Malerei Berlin. 2022 und 2026 war er als Dozent an der Freien Akademie der Bildenden Künste Kärnten in Klagenfurt tätig. Im Jahr 2025 wurde Wirthmüller zu einer Reise in die Provinz Guangxi in China eingeladen mit abschließender Ausstellung im Nanning Art Museum.
Ausstellungen (Auswahl): u.a. Galerie Eigen+Art, Leipzig / Galerie Matthias Kampl, München / Galerie Wewerka, Berlin / Galerie Marianne Grob, Berlin-Luzern / Künstlerhaus Bethanien, Berlin / Goethe-Institut London / Museum Moderner Kunst Passau / Haus der Kunst, München / Galerie Annick Ketele, Antwerpen / MUHKA Antwerpen / Galerie Monumental, Lissabon / State Art Museum Novosibirsk / Art Resource Transfer, New York / Pro Art Gallery, Athen / Künstlerhaus Wien / Museum Villa Rot / Kunstverein Pforzheim / Haus am Lützowplatz, Berlin / Kunstverein Tiergarten, Berlin / Kunstpavillon München.
toni.wirthmueller@web.de


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