HÄRLE AKTUELL

Ein gelungenes Fest: Großer Weizenbieranstich Ende Juni

Die Weizenbiersaison ist eröffnet! Vorgestern Abend haben sieben Brauer und eine Brauerin aus ganz Baden-Württemberg sowie Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch in der Lagerhalle der Brauerei Härle in Leutkirch neun verschiedene Weizenbierfässer angestochen. Nach dem Anstich floss reichlich Freibier.
Gottfried Härle ging in seiner Begrüßung auf die Geschichte des Weizenbieres ein. Dessen Ursprünge reichten bis ins vierte Jahrhundert vor Christus – nach Mesopotamien ins Zweistromland. Die Sumerer haben, so Härle, das Bier entdeckt, und sie hätten damit eines der beiden wichtigsten Kulturleistungen der Menschheit hervorgebracht: die Erfindung der Schrift und des Bieres.  

Die Zutaten machten ein erfrischendes Weizenbier aus. Dazu gehörten nicht nur beispielsweise Weizen, Wasser Hopfen, Malz oder Hefe, sondern auch noch eine weitere „Zutat“: die Erfahrung und das Können des Braumeisters.  

Mit Entschiedenheit sprach sich Härle in der vollbesetzten Lagerhalle gegen die gentechnische Manipulation von Gerste und Weizen aus. Gentechnik habe in diesen Rohstoffen nichts zu suchen, betonte der Juniorchef der Brauerei Härle. Der Beschluss der Bundesregierung, bis auf weiteres auf den Anbau von gentechnisch verändertem Mais zu verzichten, sei ein positives Signal. Die eigens zum Fassanstich nach Leutkirch gekommene Staatssekretärin im Landwirtschaftsministerium, Friedlinde Gurr-Hirsch, bat er, sich dafür einzusetzen, „dass aus diesem Signal eine klare Botschaft wird“. Härle: „Wir brauchen in Deutschland keine grüne Gentechnik.“  

Härle wollte an diesem Abend zwar nicht in eine Politikerschelte verfallen, sagte aber, dass „Bier keine Politik braucht, wenn es darum gehen soll, unser Kulturgut in die Nähe von Drogen zu rücken – wie einige Damen und Herren in Berlin dies vorhaben.“ In diesem Zusammenhang stellte Härle einige kritische Fragen: „Muss uns Brauern tatsächlich untersagt werden, ins Vereinsheften oder in Stadien unserer Sportvereine zu werben oder kulturelle Initiativen zu unterstützen? Ist unser Produkt so gefährlich, dass auf den Etiketten Warnhinweise aufgedruckt werden müssen? Muss die Promillegrenze tatsächlich auf 0,3 oder gar 0,0 abgesenkt werden, obwohl die Zahl der alkoholbedingten Unfälle im Straßenverkehr stark abgenommen hat?“ Zurzeit seien diese Pläne zwar wieder in der Schublade, doch die Gefahr sei groß, dass diese nach der Bundestagswahl im Herbst wieder auf den Kabinettstisch kommen.  

„Zu einem guten Bier gehört Heimat“, sagte der Leutkircher OB Hans Jörg Henle. Und im Blick auf die an diesem Abend aufspielende Musikkapelle Herlazhofen betonte er den hohen Stellenwert der Blasmusik im Landkreis Ravensburg. Henle freute sich, dass es in der großen Kreisstadt Leutkirch 14 Musikkapellen gebe. Weiter sagte er in seinem Grußwort, er wünsche sich nicht nur für die Brauereien, sondern auch für die Milchwirtschaft eine gute Zukunft.  

Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch gratulierte OB Henle, in einer Stadt wie Leutkirch Stadtoberhaupt zu sein. „Es ist eine Gnade, in diesem wunderbaren Ort Ob zu sein“, sagte der Gast aus Stuttgart. Bier und Blasmusik, so die Staatssekretärin weiter, gehörten zusammen. „Das ist eine ideale Ehe.“ Gurr-Hirsch sprach Härle aus der Seele als sie meinte, Gentechnik habe in der Landwirtschaft nichts zu suchen. Auch auf die von Härle angesprochenen Gefahren ging sie ein. „Wer Bier säuft der sündigt“, betonte der Gast aus Stuttgart. Der Mensch „muss dahin geleitet werden“, Gerstensaft „moderat und genussvoll zu konsumieren.“  

Nicht über die Gentechnik oder die Entstehung des Bieres wollte Landrat Kurt Widmaier an diesem Abend sprechen. Er hieß vielmehr die Gäste willkommen, lobte die Musikanten („wir im Landkreis Ravensburg sind Weltmeister der Blasmusik“) und meinte im Blick auf die vielen fröhlichen Menschen in der Lagerhalle der Brauerei: „So sind wir eben, wir feiern und es geht uns gut.“ Wie seine Vorredner sagte auch der Kreischef, dass „das regionale Bier zu unserer Region gehört“. Und so Widmaier weiter: „Herr Härle ist der Vater der Regionalität“. Sich selbst bezeichnet der Landrat als Werbeträger des Bieres und der „LandZunge“, die mit ihrem kulinarischen Angebot auch vorgestern Abend keine Wünsche offen ließ.  

Aus: Schwäbische Zeitung 27.06.2009, von Redakteur Jürgen Spöcker

Veröffentlicht am: 30.06.2009
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